20. März 2025
Fragen und Antworten mit Tourmanagerin Rebecca Travis
Über Rebecca Travis
Bevor ich 2005 Tourmanagerin wurde, war ich seit 1999 mit vielen Acts unterwegs, unter anderem als Assistentin der Tourleitung und Produktionskoordinatorin. Zu den Künstler:innen, mit denen ich in letzter Zeit zusammengearbeitet habe, gehören James Blake, Paolo Nutini, Chvrches, Ellie Goulding, Florence + The Machine, Arcade Fire und Basement Jaxx.
Fotonachweis: Hans-Peter van Velthoven.
Wie entsteht eine anhaltende positive Dynamik innerhalb des Teams, einschließlich der Crew, der Band und anderer Mitarbeiter:innen?
Der Aufbau und die Motivation eines Teams ist ein wesentlicher Teil unserer Arbeit – es ist so wichtig, ein glückliches und motiviertes Team zu haben. Wir fördern ein freundliches und angenehmes Umfeld. So stellen wir sicher, dass alle zusammenarbeiten, um etwas zu schaffen, an dem alle Freude haben und auf das wir stolz sein können. Das muss aber auch von den Künstler:innen selbst kommen – kaum etwas motiviert mehr, als wenn sie dem Team ihre Dankbarkeit zeigen. Jeder Mensch möchte geschätzt werden!
Welchen Rat würdest du Künstler:innen geben, die vor ihrer ersten Tour stehen?
Gewohnheiten, die wir zu Beginn entwickeln, setzen sich oft während der gesamten Tour fort. Es ist eine gute Idee, darüber nachzudenken, wie du dich ernähren und trainieren möchtest. Plane Spaziergänge und Läufe ein, sieh dir Orte in der Nähe an, an denen du einen Yoga- oder Spinning-Kurs machen kannst, oder nimm ein Faltrad mit, wenn das dein Ding ist.
Welche Routinen und Tipps helfen Künstler:innen, unterwegs frisch und motiviert zu bleiben?
Ich arbeite inzwischen mit ein paar älteren Künstler:innen zusammen und mit zunehmendem Alter müssen sie natürlich besser auf sich achten – nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs. Das Reisen und die vielen Stunden fordern ihren Tribut. Alle haben ihre eigene Strategie, aber die wichtigsten Punkte sind Schlaf, Ernährung und Bewegung. Wir versuchen deshalb, diese Dinge so gut wie möglich in unsere Planungen zu integrieren. Dazu gehören Fitnessräume in Hotels, Aufenthaltsräume bei Busreisen über Nacht, um Schlaf nachzuholen, Auszeiten von den Veranstaltungsorten und so viel qualitativ hochwertiges Essen wie möglich.
Was ist im Laufe der Jahre einfacher und was herausfordernder auf Tour geworden?
Die Kommunikation ist einfacher geworden, würde ich sagen. Wir haben mittlerweile so viele Tools, die das Touren und den allgemeinen Informationsaustausch wesentlich effizienter gestalten. Dank Tour- und Messaging-Apps ist vieles wesentlich unkomplizierter als in alten Zeiten! Die größten Herausforderungen heutzutage sind wahrscheinlich die Budgetierung und vor allem die kleineren Touren rentabel zu gestalten. Die Preise für Hotels, Flüge und Treibstoff sind (neben anderen Dingen) in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wodurch es schwieriger ist als früher, den finanziellen Teil zu regeln.
Wie gehst du auf langen Tourneen mit Burnout oder Stress bei Künstler:innen um?
In der Regel wird Tourmanager:innen ein finaler Zeitplan vorgelegt – und häufig haben sie kein Mitspracherecht. Am Ende ist es aber unsere Aufgabe, das zu managen, was geplant wurde. Es ist wichtig, sich mit dem Management abzustimmen und sicherzustellen, dass die Künstler:innen auch ein bisschen Freizeit bekommen. Man sollte das Reisen so bequem gestalten, wie es der Zeitplan und das Budget zulassen. Die zusätzlichen Stunden im Bett können einen großen Unterschied machen, ebenso wie ein bequemerer Sitz im Flugzeug.
Wie können sich Künstler:innen vor, während und nach einer Tour um ihr mentales Wohlbefinden kümmern?
Es ist wichtig, auf der Tour so viele Ruhephasen wie möglich zu schaffen. Alleine die Zeit in Hotels ist gut, um sich auszuruhen und zu erholen. Es gibt für gewöhnlich nicht viele freie Tage auf einer Tour – die meisten machen das Beste aus dieser Zeit, indem sie gut essen, auf einem Spaziergang die Stadt erkunden und einen erholsamen Schlaf genießen, der ihnen im Bus oder Flugzeug verwehrt bleibt. Im Allgemeinen können ein bisschen Training, eine Pause vom Veranstaltungsort und Bewegung an der frischen Luft wahre Wunder bewirken. Manchmal buchen wir auch eine Massage am Veranstaltungsort, wenn der Zeitplan es zulässt. Ich war auch schon auf Touren, auf denen die Künstler:innen für jeden Konzerttag eine Yogastunde vorgesehen haben, damit alle, die Zeit haben, mitmachen können. Vor und nach der Tour ist Schlaf das Allerwichtigste: Idealerweise nimmst du dir im Anschluss an deine Tour etwas Zeit, um dich zu erholen und in deinen Alltag zurückzukehren.
Wie misst du persönlich den Erfolg einer Tour und wie bereitest du dich auf die nächste vor?
Es gibt zahlreiche Indikatoren: Sind viele Leute zu den Auftritten gekommen? Haben die Künstler:innen mit uns Geld verdient? Hat es den Künstler:innen gefallen? Hat es der Band und der Crew gefallen? All diese Faktoren spielen eine Rolle, aber wenn eine gewissen Ausgewogenheit besteht und alle traurig sind, wenn die Tour zu Ende geht, dann sind wir zufrieden! Im besten Fall kann man nach einer Tour ein wenig reflektieren, sich ausruhen und auf die nächste Tour vorbereiten. Das ist der Traum, aber in der Realität geht es normalerweise direkt weiter!